Normandie & Bretagne 2022

Reisezeit: 07. – 18. Mai 2022
gefahrene Kilometer: 3708
bereiste Länder: Niederlande, Belgien, Frankreich
Fahrzeug: Mercedes-Benz 190E

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Nach fast vier Jahren ohne Roadtrip (auch Corona-bedingt) haben wir uns diesmal mit dem 190er auf den Weg in die Normandie und Bretagne gemacht. Diese Gegenden standen schon länger auf unserer Liste der Reiseziele.

Los ging es am 7. Mai bei uns Zuhause im Landkreis Karlsruhe und zunächst als ersten Zwischenstopp ins Ruhrgebiet, wo wir am Samstag Abend noch ein Fußballspiel besucht haben.

Am Sonntag war dann ein Tag mit recht viel Fahren angesagt. Es ging vom Ruhrgebiet etwas mehr als 600 Kilometer durch die Niederlande, Belgien und Frankreich bis nach Rouen, das unsere erste Station in Frankreich und der Normandie war.
Auf dem Weg haben wir auf der belgischen Autobahn einen sehr schönen alten Bully überholt, der Fahrer hat sich auch über unseren Oldtimer gefreut. In Rouen angekommen mussten wir dann auch das erste Mal Bekanntschaft mit den teilweise sehr schlechten kleinen Straßen in Frankreich machen. Mit dem tiefergelegten W201 waren diese teilweise eine Herausforderung. Außerdem haben wir an diesem Tag nach etwas Googlen auch gelernt, wie die zweispurigen französischen Kreisverkehre funktionieren. Will man die erste oder zweite Ausfahrt nehmen, fährt man auf die äußere Spur, will man Ausfahrt drei oder vier nehmen auf die innere (und blinkt solange links, bis man rausfahren will). Beim Rausfahren dann rechts blinken und auch wenn man von der inneren Spur kommt, lassen die Franzosen einen durch und man kann abfahren (im Zweifelsfall muss man eben eine extra Runde drehen). Das System funktioniert aber erstaunlich gut. Was wir auch noch gelernt haben in diesem Urlaub – in Frankreich biegt man beim Links abbiegen nicht voreinander ab, sondern so wie früher in Deutschland wird aneinander vorbei gefahren. Außerdem bauen die Franzosen, sobald innerorts die Geschwindigkeit auf 30 km/h beschränkt ist, Temposchwellen in die Straßen, die für unseren 190er teilweise ziemlich hoch waren.
Am Abend nach der Ankunft haben wir uns noch zu Fuß die Innenstadt von Rouen angeschaut – wirklich sehenswert. Auf dem Weg dorthin haben wir allerdings einige etwas seltsame Viertel durchquert, in denen wir als Touristen sehr auffielen. Das Hotel lag übrigens direkt am Rugby Stadion von Rouen, morgens konnte man aus dem Hotelfenster den Spielern beim Trainieren zusehen.

          

Der Montag startete für uns mit dem Weg nach Giverny, wo wir die Gärten und das Haus von Monet besichtigt haben – wir hatten übrigens super Wetter! Die Gärten sind wirklich sehr schön angelegt, vor allem der Wassergarten mit dem kleinen Fluss und dem Teich (wo ja auch das berühmte Bild entstanden ist) sind wirklich interessant und super anzuschauen.
Auf dem Weg nach Giverny haben wir den 190er auch an einem französischen Carwash vom Dreck der ersten Tage befreit, er sah wirklich schlimm aus.
Der Rückweg Richtung Rouen führte uns dann noch in den Biotropica Zoo in Val-de-Reuil, ziemlich natürlich angelegte Gehege und auch der Tierpark an sich ist recht natürlich belassen. Man ist auch gefühlt deutlich näher an den Tieren als in deutschen Zoos. Schade war nur, dass (und das war nicht das einzige Mal auf der Reise) alle Restaurants und Snack Stände geschlossen waren – keine Ahnung, ob das daran lag, dass wir nicht zu absoluten Hauptsaison dort waren.
          

Am nächsten Tag haben wir zwei Orte besucht und sind zu unserem nächsten Zwischenstopp für zwei Nächte gefahren – Caen.
Zuerst ging es aber von Rouen nach Etretat, dort gibt es wirklich beeindruckende Kreidefelsen zu sehen, eine Höhle in den Felsen und hier haben wir auch die ersten Befestigungsanlagen des Atlantik-Walls gesehen. Wir sind auch oben auf die Felsen und auch am Strand entlang bis in die Höhle gegangen – und haben festgestellt, das festeres Schuhwerk als Turnschuhe hilfreich gewesen wäre. In die Höhle soll sich laut Legende ein Matrose eines gekenterten Schiffes gerettet haben und dort Schutz vor der starken Brandung gefunden und überlebt haben.
Nach einer Stärkung mit Fish&Chips ging es dann weiter nach Honfleur. Die Stadt ist auf jeden Fall empfehlenswert – sehr sehenswerte Altstadt mit kleinem Hafen etc.
Auf dem Weg nach Honfleur haben wir auch die Pont de Normandie überquert, eine beeindruckende Brücke und die Schrägseilbrücke mit der größten Spannweite in Europa.
          

Start und Ziel am 11. Mai war Caen, morgens sind wir vom Hotel aus zuerst in das Museum Memorial de Caen gefahren. In diesem Museum gibt es sehr viel zur Geschichte des zweiten Weltkrieges zu sehen – und das nicht nur auf die Normandie bezogen, sondern global. Das Museum ist sehr modern und teilweise auch interaktiv gestaltet – super interessant! Auch die Exponate waren beeindruckend, beispielsweise gibt es dort auch japanische Uniformen, Waffen etc. zu sehen. Die Sonderausstellung ist dort momentan die Geschichte des kalten Krieges und insbesondere auch die deutsche Teilung, dies war für uns als Ostalgie-Interessierte natürlich auch sehr spannend (und natürlich wurde auch der Trabi, der am Ende der Aussstellung steht, genauer unter die Lupe genommen).
Danach sind wir noch nach Ouistreham gefahren, haben dort zu Mittag gegessen und dann noch den Grand Bunker besichtigt. Hierbei handelt es sich um einen fünfstöckigen Hochbunker mitten im Ort, allerdings waren wir hier recht schnell fertig mit der Besichtigung – der Eintritt lohnt sich hier nicht unbedingt.
Zurück in Caen haben wir uns einen Parkplatz in der Innenstadt gesucht und noch das Chateau von Caen besichtigt. Eine wirklich große Anlage, auch sehr interessant anzusehen – man kann kostenlos in die Anlage und auch auf die Außenmauern.
          

Der nächste Tag war geprägt von Bunkeranlagen des Atlantik-Walls und D-Day Landungsstränden. Zuerst waren wir in Asnelles und haben uns dort das Widerstandsnest 37 angeschaut. Dort ist auch die gesamte Strandpromenade eine ehemalige Befestigungsanlage. Auch vorgelagert im Meer liegen dort noch viele bauliche Relikte aus der Zeit des zweiten Weltkriegs. Ungeplant haben wir dann noch in Arromanches angehalten, das direkt an unserem Weg lag. Auch dort gibt es Befestigungsanlagen aus dem Krieg, sowie einen Sherman Panzer und auch Bauwerke aus dem Krieg im Meer zu sehen. Auch die kleine Innenstadt mit Einkaufsstraße ist durchaus einen Besuch wert. Unsere erste Bunker-Batterie haben wir dann in Longues-Sur-Mer besichtigt. Sehr interessant ist bei den Bunkern immer wieder, wie gut erhalten die sind, die im Krieg nicht beschädigt wurden, die anderen sind teilweise schwer beschädigt.
Nach einem kurzen Zwischenstopp am Omaha Beach mit Mittagessen, ging es noch zum Pointe du Hoc, der durch die USA betreut wird. Dort sieht man noch die Krater der eingeschlagegen Bomben, einige erhaltene und einige zerstörte Bunker. Der Besuch lohnt sich auf jeden Fall.
Unser Ziel für diesen Abend war dann Cherbourg, wo wir drei Nächte geblieben sind.
          

Von Cherbourg ging es am 13. Mai erst in Richtung Carentan, dort waren wir im D-Day Experience Museum und dem Dead Man’s Corner Museum (das Haus hat seinen Namen daher, dass dort ein toter Soldat eine ganze Weile in einem Panzer „steckte“ und nicht geborgen werden konnte). Im D-Day Experience Museum gibt es einen Flugsimulator, der die Landung in der Normandie aus Sicht der amerikanischen Fallschirmjäger nachempfindet, sehr interessant. Was wir irritierend fanden, dass man im Shop des Museums viele Original-Relikte käuflich erwerben kann – sowohl aus aliiertem als auch aus deutschem Bestand.
Spontan haben wir dann entschieden, zur Batterie d’Azeville zu fahren – eine super Entscheidung. In dieser Bunker-Batterie ist es nämlich möglich, 650 Meter der Bunker unterirdisch und mit Audioguide zu besichtigen, wir haben dort nochmal viel über die einzelnen Bestandteile der Batterie und die Funktionsweise der Bunker erfahren. Lustig war, dass wir – gerade voll im Audioguide und den Erzählungen über den Krieg – sehr erschrocken sind, als ein Kampfjet relativ tief über die Batterie flog, kurz nachdem wir die unterirdische Anlage verlassen hatten.
Den Abschluss des Tages bildete dann das World War 2 Museum in Quineville am Utah Beach – dieses Museum kommt aber leider nicht an das in Carentan heran und ist aus unserer Sicht nur bedingt empfehlenswert.
          

Der Samstag führte uns zunächst in die Innenstadt von Cherbourg, da wir am Tag vorher das Cite de la Mer entdeckt hatten, ein Museum, das sich in drei Teile aufgliedert: Eine Ausstellung über die Titanic, eine Aquarium und ein Atom U-Boot, das man auch von innen besichtigen darf (das war unser Highlight und lohnt sich auf jeden Fall). Super spannend, mal zu lernen, welche Bereiche es in einem solchen U-Boot gibt, wie die Mannschaft dort gelebt hat etc. Anschließend gab es einen kurzen Spaziergang durch die Innenstadt von Cherbourg mit Mittagessen.
Der 190er bekam dann seine zweite Wäsche in diesem Urlaub und es ging zum Phare de Goury in La Hague – einem Kap mit Leuchtturm und sehr wilder Küste. Die Landschaft dort hat uns ein wenig an unsere Tour durch Irland, England und Schottland erinnert. Wir haben uns ein bisschen geärgert, dass wir bereits in Cherbourg gegessen hatten, hier gab es super schöne Restaurants. Allerdings hatten wir schon zwei Tage gehabt, an denen es sich wirklich schwierig gestaltet hat, ein geöffnetes Restaurant zu finden und so haben wir die Chance genutzt, in Cherbourg zu essen.
Auf dem Weg zum Chateau de Flamanville – einem schönen kleinen Schloss mit tollem Park haben wir dann in einem Dorf noch einen W124 und eine W201 parken sehen und mussten uns natürlich daneben stellen und ein Foto machen. Wir sind auf dem Weg auch über sehr kleine Straßen gefahren, wie man sie in Deutschland eher selten findet. Auch sehr witzig und irgendwie klischeehaft war, dass wir wegen eines Radrennens noch eine Umleitung fahren mussten.
          

Am Sonntag haben wir Cherbourg verlassen und uns auf den Weg zu einem der Hauptziele unserer Reise gemacht, dem Mont St. Michel. Aber zuerst sind wir nach Granville gefahren, das auf dem Weg lag. Eine sehenswerte kleine Stadt mit schöner Innenstadt. Wir waren hier allerdings nicht so lange, da das Wetter hier nicht so gut war, bedeckt und trüb. Später am Mont St. Michel sollte sich das Wetter aber ändern – es war super heiß und wir waren mit Regenjacke, die wir sicherheitshalber nicht im Auto gelassen hatten und langen Hosen zu warm angezogen. Zur Stärkung gab es aber leckeres Mittagessen in einem sehr vollen Restaurant (generell ist der Mont St. Michel sehr voll mit Touristen) und einem Eis kurz vor dem Verlassen am späten Nachmittag.
Den Mont St. Michel muss man gesehen haben! Sehr beeindruckend, wie der Ort und die Kirche auf der Insel vor der Küste gebaut wurden. Parken ist hier nicht ganz günstig, aber man kann dafür kostenlos mit dem Shuttle-Bus vom Parkplatz zum eigentlichen Mont St. Michel fahren (das haben wir aber nur auf dem Hinweg gemacht – auf dem Rückweg sind wir zu Fuß gegangen). Die kleinen Gassen, die alten, verschachtelten Gebäude und die beeindruckende Kirche sind wirklich einen Besuch wert. Wir waren auch in der Kirche, innen gibt es dort aber nicht so viel zu sehen.
Auf dem Weg zum Hotel für diesen Abend haben wir dann die Normandie verlassen und in die Bretagne gefahren.
          

In der Bretagne hießen unsere ersten Stopps Saint Malo – wo wir die Altstadt mit der Stadtmauer und das Grand Aquarium angeschaut haben – und danach noch die Innenstadt von Lannion. Wir hatten auch recht durchwachsenes Wetter mit immer wieder kurzen Regenschauern, das erste Mal in diesem Urlaub.
Die Altstadt von Saint Malo ist auf jeden Fall sehenswert – es gibt hier sehr viele kleine alte Gebäude, jede Menge Geschäfte und Restaurants und die erhaltene Stadtmauer. Auf dem Weg vom Parkplatz in die Altstadt haben wir auch Pfähle im Wasser gesehen und später gelernt, dass sich dort Muscheln ansiedeln und so „geerntet“ werden können.
Das Grand Aquarium ist nicht so super spannend und aus unserer Sicht den Eintritt nur bedingt wert.
Unser Ziel für den Tag war Lannion, wo wir auch übernachtet haben. Die Altstadt von Lannion haben wir uns ehrlich gesagt größer und interessanter vorgestellt. Auch hatte hier fast alles zu, sodass wir recht früh im Hotel waren und den Rest des Tages zum Ausruhen genutzt haben.
          

Der 17. Mai empfing uns mit recht schlechtem Wetter. Erstes Ziel war Brest, wo wir in der Nähe des Zentrums geparkt haben und etwas die Innenstadt angeschaut haben. Aufgrund des Wetters haben wir uns dann entschieden, nochmal ein Aquarium zu besuchen, das Oceanopolis in Brest. Das können wir nur empfehlen! Es gibt dort verschiedene Themenbereiche zum Meer und auch andere Tiere, wie Pinguine, Otter und Robben zu sehen. Richtig gut gemacht und auch mit geöffnetem Restaurant, wo wir uns gestärkt haben. Bei dem Wetter das Beste, was wir machen konnten. Der Besuch hat sich definitiv gelohnt.
Da das Wetter in Brest nach dem Besuch des Aquariums wieder ganz gut war, haben wir uns entschieden, noch einen Ausflug auf die Halbinsel Crozon zu machen. Unterwegs hatten wir strömenden Regen, als wir gehalten haben, hat das Wetter ca. 15 Minuten gehalten, dann hat uns der Regen eingeholt. Daher sind wir dann zu unserem Hotel nach Quimper gefahren und haben dort den Rest des Abends verbracht.
          

Am Mittwoch, den 18. Mai ging es für uns dann von Quimper wieder in Richtung Heimat. Wir hatten morgens vereinbart, dass wir einfach so lange fahren, wie wir fit sind und Lust haben und sehen, wie weit wir kommen. Am Ende sind wir die 1186 Kilometer komplett gefahren und abends ohne Probleme wieder zuhause gelandet, auf dem Rückweg sind wir fast ausschließlich französische Autobahnen gefahren, die wirklich angenehm und in sehr gutem Zustand waren. Bis auf einige kurze Staus in der Gegend um Paris sind wir auch sehr gut durchgekommen. Unterwegs haben wir noch angehalten und in einem riesigen Supermarkt in Metz eingekauft.
Der 190er hat die insgesamt 3708 Kilometer ohne das kleinste Problem überstanden, auch wenn wir teilweise wirklich mit den schlechten Straßenverhältnissen zu kämpfen hatten.